Schule in corona Zeiten

Gedanken zur Schule in Zeiten der Corona Pandemie.
Ein Beitrag für das KOS Jahrbuch 2020. Veröffentlicht Juni 2020. Von Erhard Kohlrausch

»Es ist nicht leicht, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen.«

Mehr Licht! – wo finde ich dich, wo? Der lichtdurchflutete Ausgang – erst wird die Straßenbeleuchtung heller und heller, dann: plötzlich die grell strahlende Sonne des Südens – Es blendet so! – Wo ist meine Sonnenbrille? – »kennst du das Land, … das Haus … den Berg, seinen Wolkensteg? … möcht‘ ich mit dir, … o mein Geliebter, … o mein Beschützer … o Vater, laß uns ziehen!« … träumen dürfen wir … »wenn es einen Wirklichkeitssinn gibt, muß es auch einen Möglichkeitssinn geben« – Wirklichkeit: Gibt es einen Ausgang? Noch zeigt sich keiner, kein Licht am Ende eines Tunnels, – der Tunnel entpuppt sich als Höhle, und das in uns schlummernde Steinzeitdenken erwacht schneller, als mancher Aufklärer sich hat träumen lassen.

Wenn etwas in diesen Zeiten systemrelevant ist, dann sind es zuvörderst unsere Kinder und Jugendlichen; sie zu bilden – nicht zu verwechseln mit ihnen Unterrichtsstoff zu vermitteln – legt den Grundstein für Zukünftiges. Das klassische Medium der Bildung ist das Gespräch, der Dialog, der Diskurs, da hat sich in den letzten zweieinhalbtausend Jahren wenig geändert. Einander begegnen, einander wahrnehmen, mit allen Sinnen, von Mensch zu Mensch, sich austauschen und sich gegenseitig bereichern: Meist erkennen wir, was wir besitzen, erst, wenn es uns fehlt.

Was dürfen wir hoffen? Vertrauen wir auf das, was wir wissen können. Wissenschaft und Vernunft: Sich von der Geißel zu befreien, dazu sind uns die Fähigkeiten gegeben. »Denn was wir wünschen können, muß doch im Bereich unserer Kräfte liegen, […] oder es ist nicht ein Gott, der die Welt regiert, sondern Satan, und der hat sich in einer irren Laune ein Unwesen erschaffen, dessen Bestimmung es wäre, im Schweiße seines Angesichts sein eigenes Unheil an einer Hexenkette aus dem Schoß der Zeit zu ziehen.« (Christa Wolf Kein Ort. Nirgends)

Noch ein gutes Jahr, vielleicht früher, vielleicht später, dann wird der Durchbruch geschafft sein, es fällt helles Licht in diese Höhle, ein Ausgang erstrahlt, er zieht uns an, den Zugang lassen wir hinter uns. Was sollen wir, was sollen unsere Kinder und Jugendlichen in freier Luft tun?